Nachweismethoden
 
 
 

Blutalkohol-Bestimmungsverfahren

Die ältesten Nachweisverfahren beruhen auf klassischen chemischen Reaktionen, die mit Farbänderungen verbunden sind. Am bekanntesten ist das WIDMARK-Verfahren, bei dem das intensiv gelb gefärbte Cr VI zum wenig farbintensiven grünen Cr III reduziert wird, wobei gleichzeitig Alkohol zum Acetaldeyd oxidiert wird. Der Anteil des gebildeten Cr III entspricht ist dabei äquivalent zur vorhandenen Alkoholmenge. Die Bestimmung erfolgt photometrisch durch Bestimmung des verbrauchten Cr VI. Die Variante nach VIDIC benutzt stattdessen Vanadiumsalze, wobei das gelb-orangefarbene V V zum blauen V IV reduziert wird, mit dem Vorteil, daß der Anteil des gebildeten V IV direkt im sichtbaren Bereich bei 772 nm photometrisch gemessen werden kann.

Der von LEITHOFF 1963 eingeführte Auto-Analyzer verhalf dem ADH-Verfahren zum Durchbruch, bei dem der biologische Alkoholabbau der Leber in vitro nachgeahmt wird. Dabei wird der Alkohol durch das farblose Enzym NAD (Nicotinamid-adenin-dinucleotid) oxidiert, wobei das schwach gelbe NADH entsteht, das photometrisch im UV-Licht bei 365 nm vermessen wird. Als Katalysator fungiert dabei das Leberenzym Alkoholdehydrogenase (ADH), das dem Verfahren den Namen gibt. Durch die Automatisierung mit dem Auto-Analyzer ist ein Probendurchsatz von einer Messung/Min. möglich.

Die von MACHATA 1962 eingeführte Dampfraum-oder Headspace-Gaschromatografie ist eine physikalische Bestimmungsmethode, die auf Adsorbtion-/Desorbtion- Vorgängen in einer Trennsäule beruht. Jede Komponente eines zur Zeit t=0 aufgegebenen gasförmigen Substanzgemisches organischer Verbindungen braucht eine unterschiedliche Zeitspanne, um die Trennsäule zu durchlaufen, an deren Ende sie in einer Wasserstoff-Flamme verbrannt wird. Die dabei entstehenden Kohlenstoff-Ionen werden als elektrischer Strom dargestellt. Die Zeit ist daher ein Maß für die Art der Substanz, die Höhe (genauer: die Fläche) des Stromsignals gibt die Menge in der Probe wieder. Die Gaschromatografie (GC) erlaubt daher die gleichzeitige quantitative Bestimmung aller flüchtigen Substanzen (z.B. Aceton) im Blut. Zur Kontrolle wird bei der Messung ein sogenannter "innerer Standard" der Probe zugesetzt, im allgemeinen tert.-Butanol, das in der Natur nicht vorkommt.

Durchführung der Blutalkoholbestimmung

Für die klinische Notfallddiagnostik wird im allgemeinen nur eine Methode, meist das ADH-Verfahren, in einfacher Bestimmung eingesetzt. Als Analysenmaterial wird heparinisiertes Plasma verwendet und der Befund direkt in g/l Plasmakonzentration angegeben. Als Referenzlösungen werden Serumkontrollen mit bekanntem Alkoholgehalt in g/l verwendet.

Für forensische Zwecke erfolgt die praktische Durchführung nach den "Richtlinien des Bundesgesundheitsamtes zur Bestimmung von Alkohol im Blut", die bereits 1966 festgelegt wurden. Die Anwendung von zwei verschiedenen Verfahren (meist Kombination von ADH und Headspace-GC) unter jeweiliger Doppelbestimmung nach beiden Verfahren ist vorgeschrieben. Als Analysenmaterial wird Serum ohne jegliche Zusätze verwendet, die Befunde werden jedoch - gesetzlich vorgeschrieben - auf Blutalkohol bezogen angegeben. Dazu ist der Devisor 1,2 zu verwenden, der dem Verhältnis der Wassergehalte Serum/Blut von 91 % zu 76 % entspricht. Kalibriert wird mit wässrigen Referenzlösungen in Promille (‰, mg/g bzw. g/kg). Die Analysen werden von verschiedenen Personen in getrennten Räumen durchgeführt. Die Einzelwerte dürfen maximal 10 % vom Analysenmittelwert der 4 Einzelbestimmungen abweichen, ansonsten ist die komplette Analyse sofort zu wiederholen. Durch dieses Vorgehen ist sichergestellt, daß Fehlbestimmungen ausgeschlossen sind, da z.B. Fehler bei der Kalibrierung bei Anwendung nur einer Methode nicht erkannt würden. Eine Rundung der Ergebnisse ist unzulässig.

Gelegentlich steht kein forensisch ermittelter Befund zur Verfügung, sondern nur ein klinischer Befund. Zur Umrechnung ist dann sowohl die Dichte des Plasmas mit 1.026 (Umrechnung von g/l auf g/kg) als auch der Bezug auf Blut mit 1,2 zu berücksichtigen, womit ein Devisor von 1,236 resultiert.

Richtigkeitskontrollen

Um die bundeseinheitliche Richtigkeit der Blutalkoholbestimmung zu sichern, haben die mit forensische Analysen beauftragten Labore an externen Ringversuchen zur Qualitätskontrolle teilzunehmen. Die mit der Zertifizierung beauftragten Institutionen (Deutsche Gesellschaft für Klinische Chemie, Deutsche Gesellschaft für forensische und toxikologische Chemie) versenden Kontrollproben mit definiertem Alkoholgehalt zur Bestimmung. Für die Zertifizierung ist von den einzelnen Laboren die Alkoholkonzentration innerhalb sehr enger Toleranzgrenzen zu ermitteln. Die regelmäßige und erfolgreiche Teilnahme ist Voraussetzung zur Zulassung als forensisches Alkohollabor. Die sehr geringe Schwankungsbreite hat wesentlich zur Herabsetzung des Grenzwertes der absoluten Fahruntüchtigkeit von 1,30 ‰ auf nunmehr 1,10 ‰ beigetragen.

Atemalkohol-Nachweismethoden

Die ersten Meßgeräte, die bereits in den 30er Jahren in den USA auftauchten, hatten noch chemische Reaktionen mit Farbänderungen als Grundlage. Auch die bis vor kurzer Zeit als Vorprobe eingesetzten Dräger-Röhrchen ("Pusteröhrchen") beruhten noch auf einer Farbreaktion.
In jüngster Zeit werden sowohl als Vorprobe als auch bei den neuen Meßgeräten physikalische bzw. physikalisch-chemische Methoden benutzt. Als Ersatz der Dräger-Röhrchen fungieren handliche Meßgeräte, die mit einem Halbleiterdioden-Gassensor ausgestattet sind (z.B. Dräger 7410) und mit einer digitalen Anzeige einen umgerechneten Blutalkohol-Wert wiedergeben. Diese Geräte sind weiterhin nur als Vorprobe zulässig.
Auch Meßgeräte, die nach dem Prinzip der Infrarot-Absorption arbeiten (Dräger 7010, Siemens Alcomat), können die Blutprobe nicht ersetzen. Zwar kann damit die Alkoholkonzentration in der Atemluft präzise ermitelt werden, aber durch die Umrechnung des Ergebnisses auf Blutalkohol sind diese Geräte nicht eichfähig.

Die neueste Generation der Atemalkohol-Meßgeräte (Dräger 7110 Evidential) arbeitet nach beiden Verfahren in zwei unabhängigen Atemproben, die kurz aufeinander folgen. Dadurch sind Fehlerquellen wie Mundrestalkohol, Manipulation der Atemtechnik, Querempfindlichkeit für andere Stoffe wie Aceton etc. nahezu ausgeschlossen. Wenn beide Verfahren übereinstimmende Werte ergeben, wird der Befund als Mittelwert der beiden Messungen ohne Rundung direkt im mg/l Atemluft ausgegeben. Geräte dieser Art werden jetzt flächendeckend in der Bundesrepublik eingesetzt. Unterhalb der 1,1 Promille-Grenze bzw. 0,55 mg/l Altemalkohol kann dann bei Ordnungswidrigkeiten nach 24a StVG auf die Blutentnahme verzichtet werden. Siehe Atemalkohol.

Ethanol-Massenspektrum

weitere Nachweismethoden

Kleinste Spuren von Ethanol oder anderen Alkoholen lassen sich mit Hilfe der Massenspektroskopie (MS) mit chemischer Ionisation (CI) nachweisen.

Analytik anderer Alkohole

Der klassische chemische Nachweis und die Charakterisierung der Alkohole erfolgt durch Umsetzung zu schwerlöslichen Estern, z.B. mit Azobenzoylchlorid in einer Schotten-Baumann-Reaktion. Leicht flüchtige Alkohole können mittels Headspace-GC aus jeder beliebigen Matrix bestimmt werden. Mittels GC/MS lassen sich polare Verbindungen mit Hydroxylgruppen nach Überführung in ihre Trimethylsilylether charakterisieren.

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Letztes Update dieser Seite: 03.11.2017 - IMPRESSUM - FAQ