Blau machen / sein
 
 
 

Aus den Anfängen der Indigo-Färberei übertragener Begriff auf den Alkoholkonsum, insbesondere bei schönem Wetter: Die Färber reduzierten den Indigo-Farbstoff aus der Pflanze zum farblosen Indoxyl mittels Alkohol durch Fermentation mit menschlischem Urin (die chemischen Vorgänge waren damals natürlich unbekannt), tauchten darin die zu färbenden Gewebe, die dann in der Sonne getrocknet wurden, wobei durch Oxidation der blaue lichtechte Indigofarbstoff entstand.

Zum "Blau machen" hatten die Färber dabei nichts weiter zu tun, als den Farbbottich umzurühren und für Urinnachschub zu sorgen, eben durch Konsum von reichlich Alkohol. Denn die Färbung fiel besonders intensiv aus, wenn "alkoholhaltiger Männerurin" verwendet wurde. Der alkoholisierte Zustand der Färber wurde im übertragenen Sinne als "blau sein" bezeichnet.

Gefärbt wurde auch nur bei schönem Wetter, da zur Fermentation Wärme notwendig war, damit die alkoholische Gärung in Gang kam, das Indoxyl gebildet werden konnte und die gefärbte Faser an der Luft im Sonnenlicht ihre Blaufärbung bekam.

Im Englischen wird "blau sein" mit "drunken", umgangssprachlich mit "canned" oder "boozed(-up)" bezeichnet. Für "blau machen" gibt es im Englischen keine direkte Entsprechung (skip work; skive = schwänzen).

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Letztes Update dieser Seite: 03.11.2017 - IMPRESSUM - FAQ