Begleitstoffanalyse
 
 
 

Der Begriff Begleitstoff stellt eine allgemeine Sammelbezeichnung für die ausser Ethanol und Wasser in Spirituosen enthaltenen Inhaltsstoffe dar. Von den flüchtigen Inhaltsstoffen sind insbesondere Methanol und die höheren Alkohole für die forensische Begleitstoffanalyse von Interesse. Da Aroma und Geschmack der Spirituosen auf der Zusammensetzung der Begleitstoffe beruhen,ist deren Kenntnis für die Spirituosenherstellung und Qualitätskontrolle von essentieller Bedeutung.

Die von BONTE entwickelte Begleitstoffanalyse ist eine forensisch anerkannte Analysenmethode (OLG Celle 3Ss 85/83) zur Überprüfung von Nachtrunk-Einlassungen, also der Behauptung, dass Spirituosen erst nach dem rechtsrelevanten Vorfall konsumiert worden sind und somit erst zu der später festgestellten Blutalkoholkonzentration geführt haben.

Viele insbesondere leicht flüchtige Inhaltsstoffe lassen sich später im Blut nachweisen, wobei die Konzentrationen von der Art der Spirituose, der Trinkmenge und der Zeitspanne von Trinkbeginn bis zur Blutentnahme abhängig sind.

Der zeitliche Aspekt ist für die Beurteilung besonders bedeutsam. Da jeder einzelne Inhaltsstoff eine charakteristische Abbaugeschwindigkeit hat, erlaubt das Konzentrationsverhältnis der Stoffe zueinander eine zeitliche Bestimmung. Bei den Inhaltsstoffen handelt es sich im Wesentlichen um Alkohole (Methanol, sowie Propanol-, Butanol- und Methylbutanol-Isomere), aber auch Aldehyde, Ketone, Carbonsäuren und ihre Ester. Die Gehalte in den einzelnen Spirituosen sind stark von der Art der Spirituose abhängig und mittlerweile fast vollständig bekannt. Aus den Angaben des Beschuldigten zum Alkoholkonsum (Art, Menge, Trinkzeit) und seinen Körperdaten lassen sich Erwartungs-Spannbreiten für die einzelnen Begleitstoffe errechnen, die mit den analytisch im Blut festgestellten Begleitstoffgehalten verglichen werden. Unterschreitet der Befund die Mindesterwartung, ist je nach dem relativen Verhältnis der Stoffe zueinander auf eine zeitlich länger zurückliegende Aufnahme der Spirituose oder eine kleinere Trinkmenge zu schließen.

Eine Überschreitung kommt oftmals für den Methanolgehalt vor, da der Methanolabbau in Gegenwart von "Alkohol" (Ethanol) blockiert wird. Längere Trinkphasen oder gar Alkoholmissbrauch führen so zu einer Ansammlung von Methanol im Blut. Befunde oberhalb von 10 mg/l sind praktisch nicht mit einer einmaligen Spirituosenaufnahme zu erzielen und somit Indiz eines Alkoholabusus.

Lit: Bonte, W.: Begleitstoffe alkoholischer Getränke. Schmidt-Römhild, 1987

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Letztes Update dieser Seite: 03.11.2017 - IMPRESSUM - FAQ