Blutalkohol-Bestimmung
 
 
 

Die Durchführung der Blutentnahme erfolgt nach der "Bundeseinheitlichen Verwaltungsvorschrift über die Feststellung von Alkohol-, Medikamenten und Drogeneinfluss bei Straftaten und Ordnungswidrigkeiten" vom 13.10.1999, die nach mehrfacher Novellierung auch der neueren Gesetzgebung (Atemalkohol, Drogen) Rechnung trägt (letzte Fassung v. 26.06.2007).

Das analytische Vorgehen bei der Blutalkoholbestimmung ist grundsätzlich in den "Richtlinien für die Blutalkoholbestimmung für forensische Zwecke" geregelt, der Grundzüge bereits 1966 vom damaligen Bundesgesundheitsamt aufgestellt wurden. Danach sind prinzipiell 4 Einzelmessungen mit zwei unterschiedlichen Messverfahren (s.Gaschromatografie, ADH-Verfahren u.  Widmark-Verfahren) auszuführen. Die Messung erfolgt in der Regel im Serum, daher ist das Ergebnis unter Anwendung des Devisors 1,2 zu teilen (dies entspricht dem Quotienten der Wassergehalte Serum/Blut von 91/76 Prozent), um den Blutalkoholwert zu erhalten. Bei volumenbezogener Bestimmung ist die Dichte mit 1,03 zu berücksichtigen. Der Mittelwert der 4 Einzelwerte, auf 2 Dezimalstellen abgerundet, ergibt die Blutalkoholkonzentration (BAK). Die maximale Tolerenz zwischen diesen 4 Einzelwerten darf höchstens 10 % des Mittelwertes betragen.

Präzision und Richtigkeit der Messungen werden permanent mittels kommerziell hergestellter Kontrollproben bekannten Gehaltes überwacht. Zur externen Qualitätskontrolle sind Ringversuche vorgeschrieben.

Kontrovers beurteilt war bislang das Vorgehen, wenn keine 4 Werte mit 2 Verfahren zur Verfügung stehen, z.B. bei verunfallten Personen, bei denen im Krankenhaus das Blut nur mit dem ADH-Verfahren untersucht wurde. Zivilrechtlich hat der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden, dass ein sachverständig beratener Tatrichter unter Einbeziehung eines Sicherheitsabschlags ein derartiges Ergebnis heranziehen kann (BGH IV ZR 212/01). Strafrechtlich kann der Tatrichter in freier Beweiswürdigung (§ 216 StPO) entscheiden, ob der Befund ausreichend ist, um eine Trunkenheitsfahrt festzustellen.

Derzeit ist zur Ermittlung des Promillewertes oberhalb von 1,1 Promille ausschliesslich die Blutalkoholbestimmung zulässig, jedoch wird zunehmend angestrebt, auch im Strafverfahren die Atemalkoholmessung zuzulassen.

Postmortale Blutalkoholbestimmung

Die postmortale (nach dem Tode) Blutalkoholbestimmung verläuft messtechnisch prinzipiell in gleicher Weise wie oben beschrieben, allerdings kann in der Regel kein Serum gewonnen werden. Daher erfolgt die Bestimmung aus einer Blutprobe, die der Schenkelvene entnommen wird. Da sich der Wassergehalt des Venenblutes postmortal ändert, sind die Analysenbefunde entsprechend dem Wassergehalt zu korrigieren.

Problematisch ist gelegentlich die Beurteilung der Befunde, da durch bakterielle Einflüsse (auch bei äußerlich nicht erkennbarer Fäulnis) eine Neubildung von Alkohol erfolgen kann. Rückschlüsse auf den Alkoholisierungsgrad zum Todeszeitpunkt lassen sich aus dem Verhältnis von Blut- und Urinalkohol ziehen, sodass eine Urinalkohol-Bestimmung meist zusätzlich erfolgt.

Blutproben an Ketoacidose verstorbener Alkoholiker weisen oft keinen Alkohol auf. Hier spielt die Bestimmung nicht-oxidativer Ethanolmetaboliten wie Ethylglucuronid im Urin und der Fettsäureethylester im Haar eine zunehmend bedeutendere Rolle, um den mittel- bzw. langfristigen Alkoholkonsum nachzuweisen.

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Letztes Update dieser Seite: 03.11.2017 - IMPRESSUM - FAQ