Atemalkohol
 
Englische Version Französische Version
 

In den Alveolen der Lunge kommt es zu einem Übergang des Alkohols im (arteriellen) Blut in die eingeatmete Frischluft, wodurch beim Ausatmen Alkohol abgegeben wird. Die Atemalkoholkonzentration (AAK) entspricht dabei ca. 1/2100 der (venösen) Blutalkoholkonzentration, jedoch ist dieses Verhältnis nicht konstant und ändert sich in zeitlicher Abhängigkeit vom Trinkende (s. Grafik), wobei auch individuelle Faktoren - insbesondere die Körpertemperatur - eine Rolle spielen.

Zeitl. Abhängigkeit des BAK/HAK Quotienten Während der Resorptionsphase hat die Alkoholverteilung zwischen arteriellem und venösem Blutkreislauf ebenfalls starke Auswirkungen auf das Verteilungsgleichgewicht Blutalkohol / Atemalkohol.

Daher sind alle Bemühungen, aus der gemessenen Atemalkoholkonzentration durch Umrechnung die Blutalkoholkonzentration exakt zu bestimmen, prinzipiell gescheitert. Aus diesem Grund hat der Gesetzgeber - bislang nur im Bereich der relativen Fahruntüchtigkeit - einen eigenen Atemalkoholgrenzwert definiert, der entsprechend den Blutalkoholgrenzwerten mit Sanktionen belegt ist, siehe  § 24a StVG. Dieser Grenzwert gilt nur für sogenannte "beweissichere Geräte" mit entsprechender Bauartzulassung und Eichung. Der vom Gesetzgeber gewählte Faktor von 1:2000 stellt gegenüber dem physiologischen Faktor von 1:2100 eine Begünstigung von 5 % dar, die allerdings erst im Bereich ab 70 Min. nach Trinkende greift (s. Diagramm).

Als Alternative zur AAK-Vorprobe besteht die Möglichkeit der Speichelalkohol-Bestimmung.

Nachweismethoden

Die ersten Messgeräte, die bereits in den 30er Jahren in den USA auftauchten, hatten noch chemische Reaktionen mit Farbänderungen als Grundlage. Auch die bis vor kurzer Zeit als Vorprobe eingesetzten Dräger-Röhrchen ("Pusteröhrchen") beruhten noch auf einer Farbreaktion.

In jüngster Zeit werden sowohl als Vorprobe als auch bei den neuen Messgeräten physikalische bzw.physikalisch-chemische Methoden benutzt. Als Ersatz der Dräger-Röhrchen fungieren handliche Messgeräte, die mit einem elektrochemischen Gassensor ausgestattet sind (z.B. Dräger Alcotest 7410) und mit einer digitalen Anzeige einen Atemalkoholwert oder einen umgerechneten Blutalkohol-Wert wiedergeben. Diese Geräte sind in der Bundesrepublik Deutschland weiterhin nur als Vorprobe zulässig. Die elektrochemische Detektion wird auch für KFZ-Wegfahrsperren (s. Interlock) benutzt.

Auch Messgeräte, die allein nach dem Prinzip der Infrarot-Absorption arbeiten (Dräger Alcotest 7010, Siemens Alcomat), können die Blutprobe nicht ersetzen. Zwar kann damit die Alkoholkonzentration in der Atemluft präzise ermittelt werden, aber diese Geräte sind nicht eichfähig.

Die neueste Generation der Atemalkohol-Messgeräte mit Bauartzulassung der PTB und Eichung im 6-Monats-Zyklus, sogenannte "beweissichere Geräte" (s. Dräger Alcotest 7110 Evidential) analysieren zwei unabhängige Atemproben, die kurz aufeinander folgen, mit einem infrarotoptischen und einem elektrochemischen Messsystem unter zusätzlicher Normierung der gemessenen Atemtemperatur auf 34 oC. Dadurch sind Fehlerquellen wie Mundrestalkohol, Manipulation der Atemtechnik, Querempfindlichkeit für andere Stoffe wie Aceton etc. nahezu ausgeschlossen. Wenn beide Verfahren übereinstimmende Werte ergeben, wird der Befund direkt im mg/l Atemluft ausgegeben. Geräte dieser Art sind derzeit nahezu flächendeckend in der Bundesrepublik Deutschland eingeführt. Unterhalb der 1,1 Promille-Grenze (0,55 mg/l) kann somit auf die Blutentnahme verzichtet werden. Ein zusätzlicher Sicherheitsabschlag ist bei Messungen im Sinne von §24a StVG nicht zu berücksichtigen (BGH 4 StR 507/00 v. 3.4.2001).

Zur Vermeidung einer Fehlmessung durch Mundrestalkohol mußte bislang eine Zeitspanne von mindestens 20 Minuten nach Trinkende gegeben sein, an die sich eine 10-minütige Kontrollzeit durch den Polizeibeamten vor der Messung anschließt. Mit der Einführung eines eigenen AAK-Grenzwertes halten einige Oberlandesgerichte die 20-minütige Zeitspanne nach Trinkende nicht mehr für erforderlich, da es auf einen Vergleich zur Blutalkoholkonzentration nicht mehr ankommt, und die 10-minütige Kontrollzeit allein ausreichend. Hinweise zur aktuellen Atemalkohlrechtsprechung sowie Literaturangaben siehe Blutalkohol-Homepage.

Benutzerdefinierte Suche

Letztes Update dieser Seite: 03.11.2017 - IMPRESSUM - FAQ