Alkoholismus
Buchshop Alkoholismus-Literatur
Englische Version Französische Version
 

Als Alkoholismus wird dei seelische und körperliche Abhängigkeit bei übermäßigem Konsum der Droge Alkohol bezeichnet. Nach Feuerlein gibt es unter klinischen Gesichtspunkten 5 Definitionkriterien:

  1. abnormales Trinkverhalten
  2. somatische alkoholbezogene Schäden
  3. psychosoziale alkoholbezogene Schäden
  4. Entwicklung von Toleranz und Entzugssyndrom ("körperliche Anhängigkeit")
  5. Entwicklung von "Entzugssyndromen auf der subjektiven Ebene" (Kontrollverlust, Zentrierung des Denkens und Strebens nach Alkohol: "psychische Abhängigkeit")

Sind nur die ersten 4 Kriterien erfüllt, spricht man von Alkoholmissbrauch, mit dem 5. Kriterium von einer Alkoholabhängigkeit.

Eine typologische Klassifizierung stammt von Jellinek: Alpha- und Beta-Alkoholiker sind sogenannte "nichtsüchtige Alkoholiker",wobei der Alpha-Typ der sogenannte Konflikttrinker ist, der zur Entspannung und Entlastung trinkt, jedoch jederzeit damit aufhören kann. Der Beta-Typ ist der Gelegenheits- und Gesellschaftstrinker, zu dem praktisch jeder nicht Abstinente gehört. Als "süchtige Alkoholiker" werden die Gamma-, Delta- und Epsilon-Alkoholiker eingestuft.

Gamma-Alkoholiker

Suchttrinker, die in einer voralkoholischen Phase im Trinkverhalten unauffällig und sozial motiviert sind. Es besteht zunehmend Erleichterung beim Trinken, Alkohol wird zunehmend zum Stimmungsausgleich getrunken, wobei immer höhere Dosierungen erforderlich sind.

Es folgt die Prodomalphase, die durch das Auftreten von Erinnerungslücken gekennzeichnet ist. Es wird allein und heimlich getrunken, die soziale Isolierung beginnt. Wegen der gestiegenen Alkoholtoleranz besteht keine Auffälligkeit im Umfeld.

In der folgenden kritischen Phase kommt es zum Kontrollverlust. Kleinste Alkoholmengen steigern den Drang nach weiterem Alkohol. Das Umfeld reagiert zunehmend ablehnend. Der Versuch, mit dem Trinken aufzuhören, wird von körperlichen Entzugserscheinungen geprägt (Schweissausbrüche, Unruhe). Das Selbstwertgefühl geht verloren.

In der chronischen Phase wird tagelang exzessiv getrunken, mit der Folge von immer stärker werdenden seelischem, körperlichem und sozialen Abbau.

Delta-Alkoholiker

Spiegel-Trinker ohne Kontrollverluste. Zur Vermeidung von körperlichen Entzugssyndromen muß ein permanenter Blutalkoholspiegel aufrecht erhalten werden.

Epsilon-Alkoholiker

Quartalstrinker. Dieser Trinkertyp kann wochenlang ohne Alkohol auskommen, jedoch bei Krisen oder Depressionen kommt es zum Kontrollverlust und oft mehrtägigem exzessivem Alkoholkonsum.

Modernere psychiatrische Klassifikationen erfolgen nach dem "Münchener Alkoholismustest" (MALT), nach ICD 10 F10.xx (International Classification of Diseases) bzw. nach DSM-IV (diagnostisches u. statistisches Manual psychiatrischer Erkrankungen), letzterer enthält einen Kodierungs- und Kriterienkatalag.

Der Ehepartner wird oft zum sogenannten Co-Alkoholiker: Um den Schein einer intakten Familie zu wahren, wird das Alkoholproblem des Partners ignoriert, verharmlost oder verdeckt.

Entstehung

Die Suchtentwicklung erfolgt langsam über die sogenannte Prodomalphase hin zur kritischen Phase, verbunden mit Kontrollverlust. Für die Entwicklung des Alkoholismus werden sowohl genetische Faktoren als auch Umweltfaktoren diskutiert. Als wichtiger Umweltfaktor gilt dabei Stress. Im Tierversuch konnte ein Hormon nachgewiesen werden (Corticotropin freisetzendes Hormon, CRH), das unter Stress freigesetzt wird und im Gehirn an spezifischen Rezeptorstellen (CRHR1) andockt. Bei genetisch bedingten Störungen (keine Bildung des Rezeptors) kam es im Tierversuch zu verstärkter Alkoholaufnahme. Gleiches gilt für bestimmte Glutamat-Rezeptoren im Gehirn (NR2B-Rezeptor) bei erhöhter Ausbildung (Quelle: Max-Planck-Gesellschaft PRI B 21 / 2002 vom 2.5.02).

Im Mai 2004 haben Forscher der University of Illinois in Chicago ein Gen entdeckt, das ein Rezeptorprotein (CREB, Cyclic AMP Responsive Element Binding Protein) produziert,das die Gehirnfunktion während der Lehrprozesses und der Entwicklung reguliert. Labormäuse, denen dieses Gen fehlt, tranken exzessive Alkoholmengen, bevorzugten Alkohol statt Wasser und zeigten Angstzustände.

Schädigungen

Als Ursache für die körperlichen Schädigungen gilt hauptsächlich das primäre Stoffwechselprodukt Acetaldehyd, das als biologisch sehr reaktives Zellgift anzusehen ist. Von Bedeutung sind insbesondere Leberschädigungen wie Fettleber, Leberzirrhose und Alkoholhepatitis. Weiterhin können chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung (s. Diabetes) und Magenschleimhautentzündung, Magen- und Darmgeschwüre und neurologische Schäden (Polyneuropathien) sowie epileptische Anfälle auftreten.

Psychiatrisch ist die Alkoholhalluzinose bis hin zum Delirum tremens und das Korsakow-Syndrom zu erwähnen. Bei alkoholkranken Frauen besteht das Risiko einer Fehlgeburt oder von Missbildungen des Embryos, s. Alkoholembryopathie. Siehe auch Physiologie.

Therapie:

Eine erfolgreiche Therapie ist ohne das Eingeständnis des Betroffenen, alkoholkrank zu sein, nicht möglich. Nach einem stationären oder ambulanten körperlichen Entzug, der teils medikamentgestützt erfolgt (s. Antabus, Campral), schliesst sich zur Entwöhnung eine psychologische und sozialtherapeutische Behandlung an, an der Selbsthilfegruppen (siehe Linkliste) einen hohen Anteil haben. Die Erfolgsaussichten einer Therapie sind mit ca. 50 % sehr gut.

Neuester Trend (Duke-Univ., Durham) ist die Entwicklung von Pflastern gegen die Alkoholabhängigkeit, ähnlich wie sie auch zur Nicotinentwöhnung verwendet werden. Wirkstoff ist Mecamylamin, das früher gegen Bluthochdruck eingesetzt wurde und durch Blockierung des Botenstoffs Dopamin im Gehirn helfen soll, den Alkoholkonsum zu reduzieren.

Epidemiologie:

Nach Schätzungen der Deutschen Hauptstelle gegen die Suchtgefahren gelten ca. 8 Mio. Deutsche (10%) als alkoholgefährdet, davon 2,5 Mio. als alkoholkrank. 20% der Arbeitsunfälle und 20% der Verkehrstodesfälle sind auf Alkoholeinfluss zurückzuführen, s. Statistik. Der volkswirtschaftliche Schaden wird je nach Quelle auf 9 bis 15 Mio. Euro/Jahr beziffert.

Benutzerdefinierte Suche

 

 

 

Letztes Update dieser Seite: 03.11.2017 - IMPRESSUM - FAQ