Physiologische Wirkung
 
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akute Wirkung

Alkohol ist wasserlöslich und kann daher über den Blutkreislauf in alle Körperzellen gelangen und dadurch im gesamten Körper Schaden verursachen.

Ethanol wirkt bereits in kleinen Dosen auf das zentrale Nervensystem. Unterhalb von 0,2 ‰ wird eine enthemmende Wirkung mit Steigerung der Redseligkeit beobachtet. Ab 0,3 ‰ kommt es zu ersten Beeinträchtigungen wie der Einschränkung des Sehfeldes und Problemen bei der Entfernungseinschätzung, ab 0,5 ‰ zu einem deutlichen Nachlassen der Reaktionsfähigkeit (Reaktionszeit), insbesondere auf rote Signale (Rotlichtschwäche). Ab 0,8 ‰ treten erste Gleichgewichtsstörungen auf, das Gesichtsfeld ist eingeengt (Tunnelblick), deutliche Enthemmung. Im Bereich von 1,0 bis 1,5 ‰ treten Sprachstörungen auf, Risikobereitschaft und Agressivität steigen. Bei 2,0 bis 2,5 ‰ starke Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen, lallende Aussprache.

Oberhalb von 2,5 ‰ kommt es zur Bewusstseinseintrübung, Lähmungserscheinungen, Doppeltsehen und Ausschaltung des Erinnerungsvermögens. Bei Lähmung des Atemzentrums ab ca. 3,5 ‰ tritt ein lebensbedrohlicher Zustand ein, der zu Koma oder Tod führen kann.

Auf das Herz-/Kreislaufsystem wirkt Alkohol anregend durch Erhöhung der peripheren Durchblutung, die Haut wird gerötet und gibt mehr Wärme ab (bei Alkoholikern besteht die Gefahr des Erfrierens!).

Die erhöhte Nierendurchblutung führt zu einer verstärkten Harnausscheidung (Diurese). Die Leber wird zur Entgiftung stark beansprucht.

chronischer Alkoholkonsum

Als Schädigung des peripheren Nervensystems kommt es zur Polyneuropathie. Alkohol schädigt die Nervenzellen, wobei ganze Gehirnregionen absterben können, siehe auch Korsakov-Syndrom und Wernicke-Enzephalopathie.

Bei permanenter Alkoholaufnahme kommt es zur Störung des Leberstoffwechsels, die analytisch anhand des Status der Leberenzyme nachweisbar ist, die über das Stadium der Fettleber schließlich zur Leberzirrhose führen kann.

Bei dauerhafter Erweiterung der Blutgefäße kommt es zu einer bleibenden Aussackung der Gefäße ("Schnapsnase").

Da Alkohol auch die Schleimhäute und Speicheldrüsen schädigt, steigt durch regelmäßigen Alkoholkonsum (insbesondere bei hochprozentigen Spirituosen) das Risiko von Mund-, Rachen-, Kehlkopf- und Speiseröhrenkrebs. Durch Schädigung der Bauchspeicheldrüse kann es zur alkoholinduzierten Diabetes kommen.

Neueste Untersuchen an der Charité Berlin zeigen, dass bereits bei täglichen Konsum von 3 Bier oder 2 Glas Wein das Risiko von Lungenkomplikationen nach Operationen ansteigt (Spiess et.al., Effects of ethanol on cytokine production after surgery in a murine model of gram-negative pneumonia. Alcoholism: Clinical and Experimental Research 2008; 32: 331-8)

Zur Physiologie der Alkoholaufnahme bzw. zum Alkoholabbau siehe Resorption bzw. Elimination.

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Letztes Update dieser Seite: 12.11.2010 - IMPRESSUM - FAQ